Es gibt viele Leute, die sich nebenbei mit einer selbstständigen Tätigkeit etwas dazuverdienen möchten. Wer dann zu seiner örtlichen Hausbank geht, um für diesen Nebenerwerb ein offizielles Konto einzurichten, wird enttäuscht sein. Geschäftskonten sind im Gegensatz zu Privatkonten ziemlich teuer.
Schnell kommt die Frage auf: „Wo bekomme ich mittels Internet ein kostenloses Geschäftskonto her?“ Diese Seite dient der Ideenfindung und gibt Tipps und zeigt, wie ich es selbst gemacht habe.
Die folgende Anfrage steht stellvertretend für Ähnliche, die wir in den vergangen Jahren von Lesern bekommen haben:
Meine Frau (Hausfrau) hat ein Kleingewerbe angemeldet und versucht ein kleines Einkommen mit selbstgenähten Sachen zu erzielen. Es kommen leider nur wenige unregelmäßige Einzahlungen zustande. Für das Finanzamt sollen die Kontobuchungen vom Privaten sauber getrennt sein, deswegen sagte man uns, dass wir ein Geschäftskonto bräuchten.
Die Banken wollen uns natürlich teure Geschäftskonten verkaufen, die wir aber sicher nicht zwingend brauchen. Oder doch?
Als Inhaber von einem kleinen Gewerbe, vom eBay-Verkäufer bis zum freiberuflichen Hausmeister, hat man gegenüber juristischen Personen (UG, GmbH etc.) einen entscheidenden Vorteil. Das Gewerbe ist mit dem eigenen Namen verknüpft.
Das Nähstudio Schneewitz, deren Inhaberin Doreen Schneewitz heißt, schreibt auf ihren Rechnungen bei Kontoinhaber statt „Nähstudio Schneewitz“ einfach „Doreen Schneewitz“. Somit ist das Risiko, dass eine Überweisung eingeht, die namentlich nicht zugeordnet werden kann, deutlich gemindert.
Seit dem 31.10.2009 sind die Banken nicht mehr verpflichtet bei Überweisungen den Namen des Überweisungsempfängers mit dem des Kontoinhabers zu überprüfen. In der Praxis machen dies deutsche Banken jedoch noch häufig. Rechtlich reichte es aus, wenn Überweisungen ausschließlich auf Grund von Kontonummer und Bankleitzahl zugestellt würden.
Das Abgleichen geschieht automatisiert mit einem Computer. Dieser würde wohl auch den Empfängername „Nähstudio Schneewitz“ automatisch richtig zuordnen. Lautet der Name des Empfangskontos allerdings „Nähstudio München-West“, findet keine automatische Zuordnung statt. Die Überweisung wird einem Bankmitarbeiter vorgelegt. Achtung: An dieser Stelle könnte die Verwendung des Privatkontos fürs Gewerbe auffallen.
Mein Tipp: Bei Kontoinhaber unübersehbar Vor- und Zuname angeben!
Oftmals haben Direktbanken kein Problem damit, dass ihr kostenloses Girokonto für Privatpersonen für ein Kleingewerbe, Nebenerwerb oder sonstigen Zuverdienst von Selbstständigen genutzt wird, solange er nicht zu viel Arbeit wegen fehlerhaften Zahlungseingängen verursacht.
Schließlich bieten viele Direktbanken überhaupt keine Geschäftskonten an und solange Geld auf dem Konto ist, nützt es der Bank. Jedoch sollte man spätestens bei 100 Zahlungsvorgängen pro Monat auf ein echtes Geschäftskonto umstellen.
Juristische Personen wie beispielsweise die beliebte Form der „UG (Unternehmergesellschaft)“ benötigen ein eigenes Geschäftskonto, da hier der Kontoinhaber die „Beispielfirma UG“ und niemals der Gesellschafter „Vor- und Zuname“ ist.
Nicht komplett kostenlos, jedoch vergleichsweise günstig ist die Deutsche Skatbank bei Geschäftskonten. Zwischenzeitlich nimmt sie wohl keine UGs mehr als Kunden auf. Geschäftsführer von GmbHs und Vorstände von AGs schauen mal hier: www.skatbank.de.
Selbst habe ich im Jahr 2005 ein „Geschäftskonto“ für unsere Internetseite bei der netbank eingerichtet. Ich habe es als Guthabenkonto geführt und niemals gab es Probleme wegen der geschäftlichen Nutzung. Von den Konditionen her ist es wirklich empfehlenswert: www.netbank.de
Hinweis: Da man als Gewerbetreibender oder auch Freiberufler keinen Gehaltseingang vorzuweisen hat, treffen nicht alle Konditionen auf der verlinkten Seite zu (beispielsweise nicht der hohe Guthabenzinssatz). Doch als kostenloses Guthabenkonto macht sich die netbank gut. :-)
Das Girokonto der Comdirect Bank kann interessant sein, wenn man gelegentlich Bargeldeinzahlungen zu tätigen hat. Es gibt nämlich einen Trick: Man kann über jede Filiale der Commerzbank gebührenfrei Bargeld auf sein eigenes Konto bei der Comdirect Bank einzahlen. Hintergrund ist, dass die Commerzbank in den 1990er-Jahren die Comdirect Bank als Direktbank-Tochter gegründet hat. Infoseite: www.comdirect.de
Weil sie aus rechtlichen Gründen nein sagen müssen. Schließlich bieten sie kein Geschäftskonto an. Siehe Preis-Leistungsverzeichnis. In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass eine kleingewerbliche Nutzung geduldet wird, wenn sie nicht zu stark ausfällt.
Bei den Direktbanken läuft sehr viel automatisiert. Solange es im Rahmen bleibt, kümmert sich kein Mensch um das Konto. Im Rahmen bleiben geht nach meiner Definition von 2 bis 50 Buchungen und von Kontoständen zwischen 100 und 100.000 Euro. Dies kann jedoch von Bank zu Bank etwas variieren.
Was auf keinen Fall häufiger passieren darf, sind Lastschriftrückgaben, weil das Konto nicht gedeckt ist, oder Überweisungseingänge mit „Nähstudio München-West“. Das macht der Bank Arbeit (für die der Kunde ja nicht bezahlt).
Nach meiner Auffassung für den Anfang nicht. Es wäre doch jammerschade, wenn die ersten Gewinne von der Bank aufgefressen würden. Man nutzt das kostenlose Konto solange, bis man es sich leisten kann, einer Bank Geld zu schenken, oder bis man auf Grund des eingetretenen geschäftlichen Erfolgs sein Geschäft in eine juristische Person umwandelt.
Dass das Konto gekündigt wird. Wenn das geschieht, dann meist mit einer Frist von 3 Monaten, so dass man genügend Zeit hat, sich nach einer Alternative umzusehen. Passiert in der Praxis aber selten, wenn man wie oben beschrieben verfährt.
Ich selbst habe mit dem kostenlosen Konto der netbank über Jahre sehr gute Erfahrungen als Geschäftskonto für diese Internetseite gemacht. www.netbank.de.
Hier geht es zu unserem allgemeinen Girokonto-Vergleich.